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Murdoku, Murdle, Mordoku: was ist was?

Drei Wörter, die sich ähneln, und nur zwei davon gehören zu einem Buch. Wer im Regal steht und sich entscheiden will, braucht vor allem die Unterscheidung nach der Denkart.

Anselm Winter 9 Min. Lesezeit 28. August 2026

Luftbild eines verschneiten Feldes, in dem sich ein Feldweg in zwei Richtungen gabelt
Foto: Peter Holmboe · Pexels

Die Verwechslung ist verständlich. Beide Namen sind aus murder gebaut, beide Reihen stehen seit Kurzem nebeneinander im Regal, beide werben mit Logikrätseln und Mordfällen. Trotzdem sind es zwei verschiedene Bücher zweier verschiedener Autoren in zwei verschiedenen Verlagen, und sie verlangen unterschiedliche Denkarten.

Vorweg die Zuordnung, damit der Rest sortiert ist. Weder mit der einen noch mit der anderen Reihe besteht eine Verbindung zu unserem Angebot; dieser Text berichtet über sie.

MurdleMurdoku
AutorG. T. KarberManuel Garand
Deutscher Verlaghanserblau (Carl Hanser)riva
ÜbersetzungStephan KleinerTanja Schröder
Erster deutscher BandJuli 2024Mai 2026
Umfang Band 1384 Seiten, 100 Fälle208 Seiten, 80 Fälle
Womit du arbeitestEinem Gitter aus KategorienEinem gezeichneten Grundriss
HerkunftTägliches Rätsel im Netz, ab 2022Rätselseiten, unter anderem in der Financial Times

Mordoku gibt es nicht

Der dritte Name im Titel dieses Textes ist kein Buch. Mordoku ist eine Falschschreibung, und zwar eine so verbreitete, dass Suchmaschinen sie als eigenständigen Begriff führen. Dasselbe gilt für Morduko und Mudoku.

Die Herkunft des Irrtums liegt auf der Hand: Im Deutschen liegt „Mord“ näher als das englische murder, und die Ohren machen aus dem fremden Vokal den vertrauten. Wer nach Mordoku sucht, meint fast immer Murdoku von Manuel Garand – seltener Murdle. Praktisch heißt das nur eines: Wenn du unter einer dieser Schreibweisen ein Buch angeboten bekommst, sieh nach, wer als Autor und Verlag darauf steht, bevor du bestellst.

Der eigentliche Unterschied: Tabelle gegen Fläche

Namen und Verlage sind das Nebensächliche. Der Unterschied, der beim Lösen zählt, betrifft die Form, in der die Lösung entsteht.

Murdle arbeitet tabellarisch. Du bekommst Verdächtige, Tatorte, Gegenstände – ab der dritten Schwierigkeitsstufe zusätzlich Motive – und ein Gitter, in dem jede Kategorie gegen jede andere steht. Jeder Hinweis wird als Häkchen oder Kreuz eingetragen, und die Lösung entsteht dadurch, dass in einer Zeile alle Felder bis auf eines gestrichen sind. Das ist ein klassisches Logical mit Krimianstrich; wie das im Einzelnen abläuft, steht unter Murdle lösen.

Murdoku arbeitet räumlich. Du bekommst einen Grundriss – eine Bäckerei, ein Kasino, einen Bauernhof –, der über ein Raster gelegt ist, und die Regel, dass in jeder Zeile und jeder Spalte genau eine Person steht. Die Hinweise sprechen über Räume, Möbel und Nachbarschaften. Die Lösung ist keine ausgefüllte Tabelle, sondern eine Aufstellung von Personen auf einer Fläche. Das Verfahren dazu steht unter Murdoku lösen.

Die kurze Entscheidungshilfe

Denkst du beim Sortieren in Listen und Spalten – wer war wo, wer hatte was –, liegt dir das Gitterformat. Denkst du in Wegen und Lagen – wer stand neben wem, was sieht man von dort aus –, liegt dir das Grundrissformat. Diese Vorliebe ist stabiler als jede Angabe zum Schwierigkeitsgrad.

Dieselbe Lage, zweimal gestellt

Am schnellsten begreift man den Unterschied, wenn dieselbe Ausgangslage in beiden Formaten steht. Nimm eine Werkhalle, vier Beschäftigte, eine Nachtschicht.

Als Gitterfall

Gegeben sind vier Namen, vier Bereiche und vier Gegenstände, dazu Sätze wie „Wer den Schraubenschlüssel hatte, war nicht im Lager“. Du zeichnest sechs Teilgitter – Namen gegen Bereiche, Namen gegen Gegenstände, Bereiche gegen Gegenstände und so fort – und trägst Häkchen und Kreuze ein. Am Ende steht eine Tabelle: wer, wo, womit.

Als Grundrissfall

Gegeben ist eine Zeichnung der Halle mit einem Raster darüber, dazu die Regel, dass in jeder Zeile und jeder Spalte genau eine Person steht. Die Sätze lauten jetzt anders: „Im Lager steht niemand“, „Bea steht weiter links als Adam“. Du trägst Sperrungen ins Raster ein. Am Ende steht ein Bild: wer wo steht – und der Täter ergibt sich daraus, wer mit dem Opfer allein in einem Raum ist.

Beides ist Ausschlussarbeit, aber sie fühlt sich verschieden an. Im Gitter denkst du in Zeilen: Welche Möglichkeiten hat diese Person noch? Im Grundriss denkst du in Flächen: Welche Felder sind noch frei, und was erzwingt das für die Nachbarschaft? Der Gitterfall verlangt Buchhaltung, der Grundrissfall Vorstellungsvermögen.

Es gibt noch einen Unterschied, der beim Blättern nicht auffällt und beim Lösen sofort. Ein Gitterfall lässt sich in beliebiger Reihenfolge angehen – du kannst mit dem letzten Hinweis anfangen. Ein Grundrissfall hat einen natürlichen Einstieg, nämlich den Hinweis, der einen Raum leerräumt, denn daraus folgt fast immer sofort etwas über einen zweiten Raum. Wer diesen Einstieg nicht findet, wandert lange herum. Wie er aussieht, steht durchgerechnet unter Murdoku lösen.

Was beide Formate teilen

Bei aller Verschiedenheit stehen beide Reihen in derselben Tradition, und das erklärt, warum sie sich beim Blättern so ähnlich anfühlen.

Der letzte Punkt unterscheidet sie von den meisten anderen Krimiformaten. Ein Krimidinner braucht Gäste und einen Abend, eine Escape-Box braucht Material und lässt sich nur einmal spielen. Wo diese Formen ihre Stärken haben, steht unter Krimispiele für Erwachsene.

Was beide Formate nicht sind

Hier lohnt eine Abgrenzung, weil die Buchhandelskategorien beides in dasselbe Regal stellen. Weder Murdle noch Murdoku ist ein Rätselkrimi im engeren Sinn – also ein durchlaufender Fall, bei dem eine Ermittlung über mehrere Etappen aufgebaut wird und die Lösung erst am Ende steht.

Beide Reihen bestehen aus in sich geschlossenen Einzelfällen. Das ist ihre Stärke: Man kann irgendwo aufschlagen, zwanzig Minuten arbeiten und zuklappen. Und es ist ihre Grenze: Es gibt keine Figur, die sich über hundert Seiten entwickelt, keine Aussage, die im vierten Kapitel plötzlich anders klingt, keinen Verdacht, der sich als Irrtum herausstellt. Was ein solcher durchlaufender Fall leistet und wie er gebaut ist, steht unter Murder Mystery Krimi Rätselbuch für Erwachsene.

Das sind zwei Gattungen, nicht zwei Qualitätsstufen. Eine Sammlung von Einzelfällen und ein durchlaufender Fall lösen verschiedene Aufgaben – die eine für zwanzig Minuten am Abend, die andere für einen Abend am Stück.

Wenn du dich zwischen den beiden entscheiden musst

Drei praktische Punkte, die sich aus dem Aufbau ergeben und nicht aus dem Geschmack.

Die Fallmenge pro Seite. Ein Murdle-Band hat auf 384 Seiten 100 Fälle, ein Murdoku-Band auf 208 Seiten 80. Rechnerisch bekommt man beim einen knapp vier Seiten je Fall, beim anderen gut zweieinhalb – der Unterschied geht bei Murdle in die größeren Lösungsgitter der schweren Fälle, die allein vier Buchseiten belegen.

Der Anteil Lesearbeit. Im Gitterformat steht alles im Text: Steckbriefe, Merkmale, Hinweise. Im Grundrissformat steckt ein guter Teil der Information im Bild, und man muss sie dort suchen. Wer abends müde ist, findet das eine anstrengender als das andere – nur nicht immer dasselbe.

Der Wiedereinstieg. Ein unterbrochener Gitterfall lässt sich am nächsten Tag fortsetzen, weil das Gitter den Stand festhält. Ein unterbrochener Grundrissfall auch, aber man muss den Grundriss neu lesen, weil die Möbelübersicht im Kopf verloren geht.

Wenn dir beides liegt

Dann bist du in der Gattung angekommen, die beide Reihen bedienen, und die ist deutlich älter als sie. Woher das Krimi-Logikrätsel kommt, welche Formen es sonst noch hat und was ein fair gebauter Fall leisten muss, steht in der Übersicht Krimi-Logikrätsel. Und wer die Technik dahinter einmal ohne Krimianstrich üben möchte, findet sie unter Logicals lösen.

Beide Reihen sind inzwischen auf mehrere Bände angewachsen, und damit stellt sich die Frage, ob man vorn anfangen muss. Wie die drei Bauarten von Rätselreihen sich darin unterscheiden, steht unter Bandreihenfolge: muss man von vorn anfangen?

Häufige Fragen

Sind Murdoku und Murdle dasselbe?

Nein. Es sind zwei getrennte Reihen unterschiedlicher Autoren in unterschiedlichen Verlagen. Murdle stammt von G. T. Karber und erscheint auf Deutsch bei hanserblau; dort füllst du ein Gitter aus Verdächtigen, Tatorten und Gegenständen. Murdoku stammt von Manuel Garand und erscheint bei riva; dort verteilst du Personen auf einen gezeichneten Grundriss.

Was bedeutet Mordoku?

Mordoku ist keine eigene Reihe, sondern eine sehr verbreitete Falschschreibung. Wer danach sucht, meint fast immer Murdoku von Manuel Garand, seltener Murdle. Dieselbe Rolle spielen die Varianten Morduko und Mudoku. Unter keiner dieser Schreibweisen gibt es ein eigenständiges Buch – wer eines findet, sollte prüfen, wer als Autor und Verlag darauf steht.

Welches der beiden ist leichter?

Das lässt sich nicht allgemein sagen, weil beide Reihen von leicht bis anspruchsvoll durchsteigen. Sinnvoller ist die Frage nach der Denkart: Murdle verlangt tabellarisches Ausschließen über mehrere Kategorien, Murdoku räumliches Ausschließen auf einer Fläche. Wem Tabellen liegen, findet das eine leichter, wem Karten liegen, das andere.

Braucht man für beide einen Stift?

Ja, und zwar einen Bleistift. Beide Formate arbeiten mit Ausschlüssen, die man einträgt und im Irrtumsfall zurücknehmen muss. Bei Murdle ist das gedruckte Gitter Teil der Seite, bei Murdoku der Grundriss – in beiden Fällen ist ein falscher Eintrag mit Kugelschreiber schwer zu reparieren.

Gibt es auf Deutsch schon mehrere Bände?

Von Murdle ja: Der erste deutsche Band erschien im Juli 2024 bei hanserblau, weitere folgten, darunter ein dritter Band im Februar 2025. Von Murdoku erschien der erste deutsche Band im Mai 2026 bei riva, ein zweiter ist für Oktober 2026 angekündigt. Beide Reihen laufen also weiter, die eine nur deutlich länger.

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