Ratgeber
Der Mörder kommt zum Fest: der Adventsfall im verschneiten Rabenstein
Es schneit seit neun. Um halb zwölf liegt der Notar im Gewächshaus, und rings herum liegt unberührter Schnee. Diese Seite erzählt alles über den Fall – außer, wer es war.
Anselm Winter 8 Min. Lesezeit 12. September 2026
Der Schnee setzt um neun ein und hört bis zum Morgen nicht mehr auf. Gegen halb zwölf findet man den Notar im Gewächshaus des Herrenhauses Rabenstein, und das Erste, was auffällt, ist nicht die Leiche, sondern der Boden um sie herum.
Keine Spur führt hin. Keine Spur führt fort. Nur ein einziges Spurenpaar liegt im Schnee, und das gehört dem Gärtner, der um zehn nach zehn seine Runde ging – da lebte der Tote noch.
Das ist die Ausgangslage von „Der Mörder kommt zum Fest“, dem Adventsband der Reihe Herrenhaus Rabenstein. Vierundzwanzig Türchen, ein einziger Fall, jeden Tag ein Beweisstück. Diese Seite erzählt, was im Buch steht und wie es gebaut ist. Die Lösung steht hier nicht, und es fällt auch kein Hinweis darauf.
Sechs Menschen und eine zugeschneite Straße
Es ist Dezember, und der Schnee schneidet Rabenstein ab. Im Haus sind sechs Menschen, dazu der Gärtner. Niemand kommt herein, niemand kommt hinaus – die Straße wird erst an Heiligabend geräumt.
Damit steht die Frist, und sie steht ab dem ersten Türchen im Buch: Am vierundzwanzigsten fährt der Täter mit allen anderen ab. Wer bis dahin keinen Namen hat, sieht ihm dabei zu.
21:00 Es beginnt zu schneien, und es hört nicht mehr auf.
22:10 Der Gärtner geht seine Runde. Der Notar lebt.
23:30 Der Notar wird im Gewächshaus gefunden.
Ringsum liegt der Schnee unberührt.
Aus diesen vier Angaben ein Zeitfenster zu machen, ist die Arbeit der ersten Woche. Der Schnee ist dabei kein Wetter, sondern ein Messgerät: Wie tief eine Mulde ist, verrät, wann sie entstand. Wer diese eine Regel verstanden hat, kann den halben Kalender damit prüfen.
Was ein Türchen ist
Es ist ein Buch, kein Karton. Ein Türchen ist hier eine Seite zum Aufschlagen: ein Datum, eine Bildseite, eine Aufgabe, ein Ertrag. Nichts wird aufgerissen, nichts weggeworfen, und am fünfundzwanzigsten liegt kein leerer Pappdeckel herum – sondern ein gelöster Fall, den man weitergeben kann.
Jeder Tag endet mit genau einem Beweisstück fürs Beweisbrett. Das ist die ganze Mechanik, und sie ist bewusst so knapp gehalten: Ein Adventstag soll zwanzig Minuten dauern, nicht einen Abend kosten.
Wie der Kalender aufgebaut ist
Tage 1 bis 7 · Die Lage
Wer ist im Haus, wo schläft er, wie lange hat es geschneit, wie lang ist der Weg vom Haus zum Gewächshaus. Am siebten Tag steht nichts Neues im Buch, sondern eine Zusammenführung – und am Ende der Widerspruch, der den ganzen Rest trägt: Der Täter kann nicht dort gewesen sein. Er war es aber.
Tage 8 bis 15 · Die sechs Alibis
Sechs Tage, sechs Aussagen, ein Tag für jede Person. Hier wird gesammelt, nicht ausgeschieden, und das Buch sagt das an jedem dieser Tage ausdrücklich – prüfen lässt sich erst später. Damit die Woche trotzdem nicht durchhängt, fördert jeder Alibitag etwas anderes zutage: ein Geheimnis, das die Person zu verbergen hatte und das nichts mit dem Mord zu tun hat. Dazu eine falsche Fährte, die den Verdacht auf die Falsche zieht – und einen Tag später wieder fällt.
Tage 16 bis 22 · Der Weg und drei Spuren
Zuerst wird jeder oberirdische Weg ausgeschlossen, samt dem naheliegenden Einwand, man könne ja in fremden Spuren gehen. Dann findet sich in der Bibliothek ein Bauplan von 1897, und der beantwortet die Frage, wie jemand ungesehen hin- und zurückkam. Ab da ist der Kalender ein Ausschlussverfahren: Die gesammelten Alibis werden gegen eine gerechnete Zeit gehalten, fünf fallen weg. Drei unabhängige Sachbeweise zeigen danach auf dieselbe Person.
Tage 23 und 24 · Die Kette
Am dreiundzwanzigsten steht zu jedem der fünf anderen ein Satz, woran es scheitert – kein Restverdacht. Am vierundzwanzigsten trägst du einen Namen ein. Danach, und erst danach, schlägst du den Lösungsteil auf.
Ein fehlendes Alibi ist kein Beweis. Das steht im Buch an der Stelle, an der es am meisten wehtut – und es ist der Grund, warum der Kalender nach dem dreizehnten Tag nicht vorbei ist. Überführt wird über Zeit, Weg und Spur, nie über Auffälligkeit.
Warum nicht vierundzwanzigmal dasselbe
Der übliche Fehler eines Rätselkalenders ist die Mitte. Wenn acht Tage hintereinander Alibis prüfen, macht man achtmal dieselbe Arbeit, und achtmal kommt „hält“ heraus. Dagegen sind drei Dinge eingebaut:
- Jeder Tag zahlt sofort aus. Auch wenn eine Person ausscheidet, deckt der Tag etwas auf, das man vorher nicht wusste.
- Die Machart wechselt hart. Nie zweimal hintereinander dieselbe Art Aufgabe. Zwischen zwei Logikgittern liegt immer etwas Visuelles oder etwas zum Rechnen – Wegerätsel, Buchstabengitter, Suchbild, Nonogramm, Zeitschienen.
- Der Bruch in der Mitte. Genau dort, wo die Aufmerksamkeit sonst abfällt, kippt der Verdacht – und wird am Tag darauf wieder geradegerückt.
Die drei Hausregeln
Sie gelten in der ganzen Reihe, und sie sind kein Schmuck – nach ihnen wurde gebaut.
- Alles steht im Buch. Kein Vorwissen, kein Internet, kein zweiter Band. Jeder Beweis liegt vor dir, bevor du ihn brauchst.
- Geraten wird nie. Jede Aufgabe hat genau eine Lösung, und jede wurde einzeln nachgerechnet.
- Du ermittelst mit. Bleistift dazu, Beweisstücke eintragen, Namen streichen. Am Ende trägst du einen Namen ein.
Wo diese Fair-Play-Regel herkommt und warum sie das ganze Format trägt, steht unter Murder Mystery: Herkunft, Regeln und wie man mitspielt.
Der Lösungsteil
Nicht nur Ergebnisse, sondern Wege. Zu jedem Tag steht, welcher Hinweis welchen Schluss erzwingt, und am Ende, warum jeder der anderen ausscheidet. Die Gitterrätsel sind zusätzlich vollständig als Bild abgedruckt, damit sich Feld für Feld vergleichen lässt.
Was du brauchst
- Einen Bleistift und einen Radiergummi. Kein Kugelschreiber – man korrigiert öfter, als man denkt.
- Zwanzig Minuten am Tag, oder ein paar lange Abende am Stück.
- Einen Tisch. Vieles wird eingetragen, und ein Buch auf dem Knie ist dafür unpraktisch.
Sonst nichts. Keine App, kein Zusatzheft, keine Kenntnis von Band 1.
In Farbe gedruckt
Der Band ist durchgehend farbig gesetzt. Das hat einen praktischen Grund neben dem Aussehen: Rot markiert immer das, wo du dran bist – Antwortfeld, Beweisbrett, Streichliste. Dazu kommt der Eindruck: Beweisfotos aus der Schneenacht, Stempel quer über den Befund, Kaffeeränder auf dem Verhörprotokoll. In Graustufen wäre das die Kopie einer Kopie.
Zwei Bände, eine Adresse
Dieser Fall spielt im Dezember vor den Ereignissen aus „Der Mörder sitzt mit am Tisch“. Dasselbe Haus, dasselbe Personal, ein früherer Winter. Beide Bände sind für sich abgeschlossen, keiner verrät die Lösung des anderen, und man kann mit jedem der beiden anfangen. Als Geschenk ist der Adventsband der leichtere Einstieg – er portioniert sich von selbst.
Häufige Fragen
Ist das ein echter Adventskalender zum Aufklappen?
Es ist ein Buch, kein Karton. Ein „Türchen“ ist hier eine Seite, die aufgeschlagen wird: vierundzwanzig durchnummerierte Abschnitte, jeder mit eigener Bildseite und einer Aufgabe, die genau an einem Tag dran ist. Es gibt nichts aufzureißen und nichts wegzuwerfen – dafür kann man den Fall danach jemand anderem in die Hand drücken.
Muss man am 1. Dezember anfangen?
Nein. Der Kalender ist so gebaut, dass jeder Tag genau ein Beweisstück abwirft und alle auf den vierundzwanzigsten zulaufen – das funktioniert im Advent Tag für Tag genauso wie an drei Abenden im Februar. Wer im Dezember anfängt, hat die Frist im Buch auf seiner Seite: Am vierundzwanzigsten wird die Straße geräumt, und wer bis dahin keinen Namen hat, sieht den Täter mit allen anderen abreisen.
Muss man Band 1 gelesen haben?
Nein. „Der Mörder kommt zum Fest“ spielt im Dezember vor den Ereignissen aus „Der Mörder sitzt mit am Tisch“, im selben Haus, mit demselben Personal. Beide Bände sind für sich abgeschlossen, keiner verrät die Lösung des anderen, und man kann mit jedem der beiden anfangen. Wer beide liest, erkennt einige Gesichter wieder – mehr Vorwissen braucht es nicht.
Wie schwer ist der Fall?
Die ersten Tage sind Übung: Man lernt das Haus, die Menschen und den einen Handgriff kennen, den der Rest des Buches braucht. Schwer wird es in der Mitte, wenn sechs Alibis nebeneinander liegen und noch keines geprüft werden kann. Es wird nie schwer im Sinne von unfair – jede Aufgabe ist eindeutig lösbar, alles Nötige steht im Buch, und geraten werden muss nie.
Kann man das Buch zu zweit lösen?
Ja, und an einem Adventsabend ist das die schönste Art. Einer liest den Tag vor, der andere führt das Beweisbrett. Weil jeder Tag mit einem einzigen Beweisstück endet, ist der Streit darüber kurz und der Abend nicht verplant – zwanzig Minuten pro Türchen reichen meistens.
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