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Kakuro und Str8ts: die schwierigeren Geschwister des Sudoku

Wer Sudoku zu leicht findet, landet früher oder später bei einem dieser beiden. Sie sind nicht schwerer, weil mehr Zahlen im Spiel sind, sondern weil sie in zwei Richtungen gleichzeitig einschränken.

Anselm Winter 12 Min. Lesezeit 24. September 2026

Verstreute weiße Dominosteine mit schwarzen Augen auf einer glatten Fläche, in Schwarzweiß
Foto: Jonathan Campos · Pexels

Sudoku hat eine Eigenschaft, die man erst bemerkt, wenn sie fehlt: Jede Einheit ist gleich groß. Neun Felder, neun Ziffern, fertig. Kakuro und Str8ts geben diese Gleichförmigkeit auf – und genau daraus beziehen sie ihre Schwierigkeit.

Kakuro: die Regel

Das Gitter sieht aus wie ein Kreuzworträtsel, nur dass Ziffern eingetragen werden. In jedes weiße Feld kommt eine Ziffer von 1 bis 9. Am Anfang jeder waagerechten und jeder senkrechten Reihe steht eine Zahl: die Summe, die diese Reihe ergeben muss. Und innerhalb einer Reihe darf keine Ziffer zweimal vorkommen.

Dieses Wiederholungsverbot ist nicht Beiwerk, sondern der Kern. Ohne es gäbe es für die Summe 10 auf drei Feldern Dutzende Wege; mit ihm bleiben genau vier Mengen übrig. Die Arbeit beim Kakuro besteht deshalb nicht im Addieren, sondern im Vergleichen von Mengen.

Die Spannen, die man sofort sieht

Bevor du irgendetwas rechnest, kennst du für jede Reihenlänge die kleinstmögliche und die größtmögliche Summe. Die kleinste ist 1+2+3+… bis zur Reihenlänge, die größte 9+8+7+… nach unten.

Felderkleinste Summegrößte Summe
2317
3624
41030
51535
94545

Die letzte Zeile ist die aufschlussreichste: Eine Reihe über neun Felder muss zwangsläufig 45 ergeben, weil sie alle Ziffern genau einmal enthält. Das ist kein Rätselschritt, sondern eine Buchhaltungsregel – und sie taugt zur Kontrolle, wenn dir das Gitter nicht aufgeht.

Die sechzehn Summen, die man auswendig kann

Jetzt der eigentliche Einstieg. Für die meisten Summen gibt es mehrere Kombinationen, für manche genau eine. Diese eindeutigen Summen sind die Angelpunkte jedes Kakuro, und es sind nur sechzehn.

FelderSummeeinzige Kombination
231 + 2
241 + 3
2167 + 9
2178 + 9
361 + 2 + 3
371 + 2 + 4
3236 + 8 + 9
3247 + 8 + 9
4101 + 2 + 3 + 4
4111 + 2 + 3 + 5
4295 + 7 + 8 + 9
4306 + 7 + 8 + 9
5151 + 2 + 3 + 4 + 5
5161 + 2 + 3 + 4 + 6
5344 + 6 + 7 + 8 + 9
5355 + 6 + 7 + 8 + 9

Das Muster dahinter lohnt sich zu verstehen, dann muss man weniger lernen: Eindeutig sind immer die beiden kleinsten und die beiden größten Summen einer Feldzahl. Der Grund ist einleuchtend – bei der kleinstmöglichen Summe gibt es nur die kleinsten Ziffern, und ein Schritt darüber lässt nur eine einzige Ersetzung zu.

In der Mitte ist es genau umgekehrt. Für drei Felder mit der Summe 15 gibt es acht Kombinationen, für 14 und 16 ebenfalls acht. Solche Reihen sind am Anfang wertlos; sie werden erst interessant, wenn Nachbarfelder schon feststehen.

Der Kreuzungstrick

Und hier wird aus zwei Mengen eine Ziffer. Jedes weiße Feld gehört zu einer waagerechten und einer senkrechten Reihe. Wenn du für beide Reihen die möglichen Ziffernmengen kennst, muss die Ziffer im Kreuzungsfeld in beiden vorkommen.

Rechenweg

Waagerecht: Summe 7 auf drei Feldern → einzige Kombination 4
Senkrecht: Summe 4 auf zwei Feldern → einzige Kombination 3

Das Kreuzungsfeld muss in beiden Mengen liegen:
4 geschnitten mit 3 = 1

Im Kreuzungsfeld steht die 1. Und damit steht auch das zweite Feld der senkrechten Reihe fest: 4 − 1 = 3.

Zwei Felder aus zwei Vorgaben, ohne eine einzige Probe. Genau so wird Kakuro gelöst: Du suchst die Kreuzungen zweier eindeutiger Summen, und von dort wächst das Gitter nach außen. Es ist dieselbe Bewegung wie beim Kreuzworträtsel, wo ein Feld ebenfalls zu zwei Reihen gehört und deshalb zweifach eingeschränkt ist – nur dass hier Mengen geschnitten werden statt Buchstaben verglichen.

Die Summe allein sagt fast nichts. Zwei Summen, die sich kreuzen, sagen fast alles.

Woher Kakuro kommt

Die Herkunft ist verwickelter als beim Sudoku und nicht in allen Punkten gesichert. Die englische Bezeichnung Cross Sums wird Jacob E. Funk zugeschrieben, einem Mitarbeiter des amerikanischen Verlags Dell; über das Jahr sind die Quellen uneins, genannt werden sowohl 1950 als auch 1966. Verbreitet wurde das Rätsel jedenfalls über Dells Rätselhefte.

Den Namen, unter dem wir es kennen, bekam es in Japan. 1980 nahm Maki Kaji es für den Verlag Nikoli auf, unter der Bezeichnung Kasan Kurosu – zusammengesetzt aus dem japanischen Wort für Addition und der japanischen Aussprache des englischen cross. Daraus wurde Kakuro. Es ist damit demselben Weg gefolgt wie das Number Place, das als Sudoku zurückkam: ein amerikanisches Rätsel, das erst unter japanischem Namen weltweit bekannt wurde. Im Westen bekam Kakuro seinen Schub 2005, im Sog des Sudoku-Erfolgs, als große britische Zeitungen tägliche Rätsel druckten.

Str8ts: die Regel

Str8ts ist deutlich jünger und hat einen bekannten Urheber. Der kanadische Rätselentwickler Jeff Widderich baute 2007 einen ersten Prototyp von Hand und holte den britischen Rätselmacher und Programmierer Andrew Stuart dazu; gemeinsam legten die beiden die endgültigen Regeln fest. Vorgestellt wurde es im Februar 2008 auf der Nürnberger Spielwarenmesse, seit dem 24. November 2008 erscheint täglich ein Rätsel auf der Seite der beiden. Der Name kommt von der Straight aus dem Poker – der Folge aufeinanderfolgender Karten. Str8ts ist das Werk dieser beiden Autoren; mit unserem Angebot besteht keine Verbindung.

Das Gitter ist 9×9 und durch schwarze Felder in Abschnitte geteilt, die üblicherweise Kompartimente heißen. Es gelten drei Regeln:

Blöcke gibt es nicht. Dafür ist die Nachbarschaft der Zahlen entscheidend – nicht welche Ziffern vorkommen, sondern welche beieinander liegen.

Die Rechnung hinter der Folge

Der ganze Str8ts-Trick steckt in einer einfachen Überlegung. Ein Kompartiment der Länge 4 kann sechs verschiedene Folgen aufnehmen: 1–4, 2–5, 3–6, 4–7, 5–8 und 6–9. Sobald eine Ziffer feststeht, fallen einige dieser Folgen weg, und was in allen übrigen gemeinsam vorkommt, ist zwingend.

Vier Felder, eine bekannte 9

Welche Folgen der Länge 4 enthalten eine 9? Nur 6–7–8–9.
Also stehen in den drei freien Feldern zwingend 6, 7 und 8 – nur die Reihenfolge ist noch offen.

Und dasselbe Kompartiment mit einer bekannten 5? Möglich sind 2–5, 3–6, 4–7 und 5–8. Gemeinsam haben diese vier Folgen außer der 5 keine einzige Ziffer. Du weißt danach nichts Neues.

Daraus folgt eine Faustregel, die man in keiner Anleitung findet und die jedes Str8ts beschleunigt: Extreme Ziffern sind viel mehr wert als mittlere. Eine 1 oder eine 9 in einem Viererkompartiment legt drei weitere Felder fest, eine 2 oder 8 noch zwei, eine 3 oder 7 noch eine – und eine 4, 5 oder 6 keine einzige.

Bekannte Ziffer im Viererkompartimentmögliche Folgenzusätzlich zwingend
1 oder 91drei Ziffern
2 oder 82zwei Ziffern
3 oder 73eine Ziffer
4, 5 oder 64keine

Deshalb beginnst du bei einem Str8ts nicht oben links, sondern bei den Kompartimenten, in denen eine sehr kleine oder sehr große Ziffer steht. Es ist derselbe Gedanke wie beim Nonogramm, wo man mit den Reihen anfängt, deren Spielraum am kleinsten ist.

Die zweite Str8ts-Technik: zwei bekannte Ziffern

Noch stärker wird es, wenn in einem Kompartiment zwei Ziffern stehen. Dann ist die Folge oft schon vollständig bestimmt.

Vier Felder, darin eine 2 und eine 5

Gesucht ist eine lückenlose Viererfolge, die sowohl 2 als auch 5 enthält.
Die 2 verlangt einen Beginn bei spätestens 2, die 5 ein Ende bei mindestens 5.
Eine Viererfolge von 2 bis 5 ist die einzige Möglichkeit: 5

In den beiden freien Feldern stehen damit zwingend 3 und 4.

Die allgemeine Form: Zwei bekannte Ziffern in einem Kompartiment spannen einen Abstand auf. Ist dieser Abstand um eins kleiner als die Länge des Kompartiments, ist die Folge eindeutig. Ist er größer oder gleich der Länge, hast du einen Fehler gemacht – eine 2 und eine 8 passen in kein Viererkompartiment.

Welches passt zu wem

KakuroStr8ts
Was gefordert istMengen vergleichenSpannen eingrenzen
Was man lerntsechzehn eindeutige Summenwelche Ziffern viel wert sind
Erster Schrittextreme Summen suchenextreme Ziffern suchen
Typischer Fehlereine Ziffer zweimal in einer Reiheeine Lücke in der Folge übersehen
Gerechnet wirdkaum – vor allem verglichengar nicht

Beide sind sprachunabhängig, und das ist kein Zufall: Nikoli hat seine Rätsel von jeher so gebaut, dass sie ohne Übersetzung funktionieren. Wer die umgekehrte Gattung sucht – eine, die ganz von Sprache lebt –, findet sie unter Kreuzworträtsel lösen.

Der Übergang vom Sudoku

Wenn du von Sudoku kommst, ist eine Gewohnheit im Weg: Dort ist eine Einheit immer neun Felder lang und enthält am Ende alle neun Ziffern. Bei Kakuro und Str8ts ist beides nicht so. Eine Reihe hat zwei bis neun Felder, und welche Ziffern darin vorkommen, ist selbst Teil der Aufgabe.

Praktisch heißt das: Notiere nicht Kandidaten pro Feld, sondern Mengen pro Reihe. Beim Kakuro schreibst du an den Rand, welche Kombinationen für diese Summe in Frage kommen; beim Str8ts, welche Folgen für dieses Kompartiment noch möglich sind. Erst im zweiten Schritt übersetzt du das in einzelne Felder. Wer die Sudoku-Gewohnheit beibehält und feldweise notiert, erzeugt eine Liste, die nach drei Eintragungen nicht mehr stimmt.

Die Techniken, auf denen beides aufbaut – Einzelkandidat, Paar, Kandidatenpflege –, stehen unter Sudoku lösen. Und wer wissen will, woran man einem Rätselheft vor dem Kauf ansieht, wie schwer es wirklich ist, findet die Prüfpunkte unter Schwierigkeitsgrade bei Krimirätseln.

Häufige Fragen

Was ist Kakuro?

Ein Zahlenrätsel, bei dem in jedes weiße Feld eine Ziffer von 1 bis 9 kommt. Für jede waagerechte und jede senkrechte Reihe ist eine Summe vorgegeben, und innerhalb einer Reihe darf keine Ziffer doppelt vorkommen. Genau dieses Wiederholungsverbot macht eindeutige Lösungen überhaupt erst möglich – ohne es gäbe es für fast jede Summe zu viele Wege.

Muss man für Kakuro gut im Kopfrechnen sein?

Nein. Gerechnet wird fast nichts, verglichen wird viel. Die Arbeit besteht darin, für eine Summe alle Ziffernkombinationen zu finden und dann zu prüfen, welche davon mit der kreuzenden Reihe verträglich ist. Wer einmal die sechzehn Summen kennt, die nur eine einzige Kombination zulassen, kommt ohne jede Rechnung erstaunlich weit.

Was ist Str8ts und wie unterscheidet es sich von Sudoku?

Str8ts ist ein 9×9-Rätsel von Jeff Widderich, bei dem schwarze Felder das Gitter in Abschnitte teilen. Jeder Abschnitt muss eine lückenlose Zahlenfolge enthalten, die Reihenfolge ist dabei egal. Wie beim Sudoku darf sich in Zeile und Spalte keine Ziffer wiederholen, aber es gibt keine Blöcke – stattdessen zählt die Nachbarschaft der Zahlen.

Welches der beiden ist schwerer?

Das hängt davon ab, was einem liegt. Kakuro belohnt Kombinatorik und ein gutes Gedächtnis für Ziffernmengen; Str8ts belohnt räumliches Denken und die Arbeit mit Spannen statt mit einzelnen Zahlen. Beide sind im Mittel anspruchsvoller als ein Sudoku gleicher Gittergröße, weil bei beiden mehr Möglichkeiten gleichzeitig offen sind.

Wo fängt man bei einem Kakuro an?

An den kürzesten Reihen mit den extremsten Summen. Eine Summe von 3 auf zwei Feldern lässt nur 1 und 2 zu, eine Summe von 17 auf zwei Feldern nur 8 und 9. Solche Reihen legen sofort Mengen fest, und wo zwei davon sich kreuzen, ist das Kreuzungsfeld oft schon eindeutig.

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